Interessengemeinschaft

 

Österreichischer

 

Eselfreunde

Bericht von Albert Schweizer:

 

Da mein Haflingergespann für öffentliche Auftritte ausfällt (unschönes Sarkoid) habe ich heuer meine Eselin Taori zum dritten Mal beim Zugpferdetreffen in der Breitenau vorgestellt. Auch diesmal hat sie als einzige Eselin brav die Ehre der Langohren unter wohl gut dreißig Pferdegespannen würdig vertreten. Dabei hatte der Wetterbericht einen eselfeindlichen, recht feuchten Pfingstmontag prophezeit – eigentlich eher zum im Bett bleiben als frühmorgens Kutsche und Esel zu verladen.

 

Während der Anfahrt und beim Einspannen bewiesen die Meteorologen ihre Treffsicherheit: Es schüttete. Doch bis zum Start des Kutschenkorsos nach St. Erhard hatte der Wettergott Erbarmen, und es sollte dann doch noch ein sonniger Tag werden. Mitten drin im Pferdebulk zwischen einem Friesen- und einem Norikergespann konnte Taori, wenn auch für sie ordentlich anstrengend, so doch problemlos das flotte Tempo des Festzuges mithalten. Uns kam zugute, dass ich sie im Frühjahr mehrmals in der Woche einspanne, um Kondition für unsere Säumertouren im Sommer aufzubauen. Nach einer erholsamen Pause ging es zurück zum Festplatz, wo der Platzsprecher jedes Gespann dem Publikum des mittlerweise zum kleinen Volksfest gewordenen Zugpferdetreffens vorstellte.

 

Nach der Mittagspause nahmen wir auch am Kegelfahren teil. Dieses ist bei dieser Veranstaltung kein ernster Wettbewerb, sondern wird von Jahr zu Jahr mit neuen, lustigen Geschicklichkeitsaufgaben für Beifahrer ergänzt. Heuer mussten man mit einem losen Wagenrad Holzkegel treffen. Da ich mit meinem Gig ohne Beifahrer war, musste Taori am Platz ruhig stehen bleiben, damit ich die Aufgabe alleine bewältigen konnte. Den Parcours hätten wir vielleicht nicht nur in unserer einsamen Klasse gewonnen, wenn es nicht dieses unheimliche Eselgedächtnis gäbe: Nach Gespannvorstellung, Siegerehrung usw. verließen wir in den letzten Jahren die Festwiese immer im flotten Trab oder Galopp. Blöderweise waren aber heuer kurz vor dieser Ausfahrt Hindernisse zu durchfahren, die uns weiter auf der Wiese halten sollten. Das wusste halt mein Esel nicht! Mit einer entsprechenden Vorahnung hatte ich beim Kegelfahren auf Sidepull umgezäumt. So konnte man kein aufgerissenes Eselmaul sehen, als ich Taori stark daran erinnern musste, dass eigentlich ich bestimmen will, wo wir fahren.

 

Es ist keine Kunst mit einem gut gefahrenen Esel die Gunst des Publikums zu bekommen. Dies ist in der Breitenau auch bei den alteingesessenen Rosserern gegeben. Ein mittlerweile auch schon alter, ehemaliger Turnierfahrer (Alois Schlagbauer), der für Österreich mit seinen Warmblütern etliche Siege eingefahren hatte, kam beim Ausspannen zu uns und gratulierte uns mit feuchten Augen: „Bist gut gefahren. Das war das schönste Gespann, das ich je in einem Hindernisparcours gesehen habe. Hut ab vor den Eseln!“

 

Es wäre schön, wenn Taori das nächste Mal mit anderen Langohren um die blaue Schleife rittern müsste.

 

Das Zugpferdetreffen der Pferdefreunde Breitenau feiert bald sein 30.-stes Jubiläum. Es findet jedes Jahr bei jedem Wetter jeweils am Pfingstmontag statt. Eselgespanne sind willkommene Gäste!

 

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